Krościenko
Am 17. Juni 2018 wurden in Krościenko nad Dunajcem zum ersten Mal seit 76 Jahren die Namen der 256 jüdischen Einwohnerinnen und Einwohner verlesen, die 1942 von den deutschen Besatzern ermordet wurden.

Wie es begann
Der Wunsch, an die jüdische Gemeinde von Krościenko nad Dunajcem zu erinnern, gab den Anstoß zu dem größeren Projekt „Menschen, keine Zahlen“. Die Stiftung entwickelte das Konzept gemeinsam mit Joanna Kurczap und Elżbieta Magenheim.
Möglich wurde das Projekt durch die Entdeckung von Dr. Karolina Panz: von den Judenräten angelegte Einwohnerlisten der Region Podhale aus dem Jahr 1942. Dank der Veröffentlichung dieser Angaben konnte an alle 256 Frauen und Männer auf einem Denkmal erinnert werden, das Grzegorz und Joanna Kurczap entworfen haben.
Eine Online-Spendensammlung begann. Die Beratung mit Rabbiner Avi Baumol vom Krakauer JCC, der eine persönliche Verbindung zu Krościenko hat, führte dazu, dass er in seinem Blog bei „The Times of Israel“ über die Arbeiten schrieb. Dank anonymer Spender fuhren Jugendliche des Stefan-Żeromski-Lyzeums und der Johannes-Paul-II.-Grundschule in das Museum und die Gedenkstätte Bełżec.
Die Gedenkfeier am 17. Juni 2018
Das Denkmal wurde im Beisein der Gemeinde-, Kreis- und Woiwodschaftsbehörden, von Vertretern des Oberrabbiners Schudrich, des AJC und des JCC, von Einwohnern, Jugendlichen und Lehrkräften enthüllt. Die Gebete leiteten Rabbiner Avi Baumol und Pfarrer Krzysztof Kutek. Enthüllt wurde das Denkmal von den Familien der Nachkommen: Susskind aus Australien und Neugroschel aus den Vereinigten Staaten.
Der Sohn von Salomon Susskind streute Erde aus Erez Israel auf das Massengrab und sprach ein Gebet: ein symbolisches Begräbnis der Ermordeten. Acht Männer überlebten den Holocaust. Zum Abschluss erinnerte Herr Koterba, ein Zeitzeuge, in einem persönlichen Bericht an jene Tage.
Das Denkmal
„Ach Erde, bedecke mein Blut nicht, und mein Schreien finde keine Ruhestatt!“ Dieser Vers aus dem Buch Hiob fällt allen ins Auge, die den Friedhof in Krościenko nad Dunajcem besuchen, und darunter stehen 256 Namen.
Einige Monate nach der Enthüllung übernahmen Jugendliche des Stefan-Żeromski-Lyzeums offiziell die Patenschaft für den Gedenkort. Davon erzählt der Film „Menschen, keine Zahlen“, der für die Gazeta Wyborcza entstand.
Hüter der Erinnerung
- Jakub Dyda
Ein „Hüter der Erinnerung“, der seit Jahren in Krościenko wirkt. Inhaber der Firma Sport Spektrum, Gründer der Skischule nasniegu.pl, Mitglied der Kommission für adaptives Skifahren des polnischen Skilehrerverbands. Mitbegründer von Tourismus- und Sportprojekten für Menschen im Autismus-Spektrum und Vorstandsmitglied der Stiftung Prodeste.
Zeitleiste
Von der Vorkriegsgemeinde bis heute.
Die jüdische Gemeinde von Krościenko
In den 1930er-Jahren lebten hier fast 300 Menschen jüdischen Glaubens, überwiegend Kaufleute und Handwerker. Über mehrere Generationen wachte die Rabbinerfamilie Baumöhl über das religiöse Leben.
Die Ermordung von 256 Einwohnern
Die deutschen Besatzer ermordeten 256 jüdische Einwohnerinnen und Einwohner von Krościenko. Ihre Namen sind auf den Listen erhalten, die die Judenräte in Podhale 1942 anlegten.
Spendensammlung und Vorbereitung
Der Slogan „Ein Olympionike sammelt für einen Friedhof“ trägt die Nachricht vom Projekt nach Israel, in die USA, nach Frankreich und Großbritannien.
Enthüllung des Denkmals
Nach 76 Jahren wurden 256 Namen verlesen. Das Denkmal enthüllten die Familien Susskind und Neugroschel.
Patenschaft einer Schule
Das Stefan-Żeromski-Lyzeum übernimmt die Patenschaft für den Gedenkort.
Ein Rundgang vor Ort
2 Stationenca. 870 m zu Fuß37 Min. mit Aufenthalten
Marktplatz
Hier beginnt der Rundgang. Fast 200 Jahre lang schrieben Polen und Juden gemeinsam die Geschichte von Krościenko. 1942 ermordeten die deutschen Besatzer 256 jüdische Einwohner des Städtchens.

fot. Happa, CC BY-SA 4.0, Wikimedia Commons Jüdischer Friedhof und Denkmal
Als das Projekt 2018 begann, standen auf dem Friedhof nur noch zwei Mazewot. Heute steht hier ein Denkmal mit 256 Namen und einem Vers aus dem Buch Hiob. Die Stiftung sucht verschleppte Grabsteine und bringt sie zurück, wie die Mazewa von Liba, die nach 80 Jahren aus einem Fußboden geborgen wurde und hierher zurückkehrte.

Blog fundacji: Zmiany w Krościenku cz.2
Galerie

Weg der Erinnerung
Die Tafeln der Gedenkorte im vollen Wortlaut.
Tafel des LebensKrościenko
Żydzi z Krościenka nad Dunajcem przed Zagładą
Tafel der VernichtungKrościenko
Akcja Reinhardt. Zagłada Żydów w powiecie nowotarskim
Tafel des GrauensKrościenko
Początek eksterminacji bezpośredniej
Tafel des GrauensKrościenko
Relacja świadka
Tafel des WissensKrościenko
Cmentarz żydowski z XIX wieku w Krościenku nad Dunajcem
Namensliste
Die 256 Namen stehen auf dem Denkmal.
Biografien
Lebensgeschichten einzelner Menschen und Familien, von der Stiftung erforscht und in ihrem Blog veröffentlicht (auf Polnisch).
Biografien von Menschen aus diesem Ort sind in Vorbereitung.
Hören
Gesprochene Aufnahmen für diesen Ort sind in Vorbereitung. Jede erhält Untertitel und eine vollständige Transkription.
Ortsführer
Ein A4-Blatt zum Ausdrucken: kurze Geschichte, Adresse und Koordinaten, QR-Code zur Navigation, Hinweise zum Verhalten auf dem Friedhof und Kontakt zur Stiftung.